Im Reich der wilden Tiere: Tansania hält, was es verspricht. Im dritten und letzten Teil unserer Reise rund um den Victoriasee legt sich ein Löwe zum Mittagschlaf unter das Auto und in Mwanza treffen wir unerwartet auf Hollywood.
Einmal rund um den Victoriasee Stage 3: Von Biharamulo im Nordwesten Tansanias geradewegs mitten durch die Serengeti hindurch und weiter bis Arusha, dem Endpunkt unserer Reise.
Von Nairobi aus einmal rund um den Victoriasee. Es war ein lange gehegter Traum: Über 3.000 Kilometer, vier Länder und drei Wochen Zeit. So der Plan. Nicht geplant waren die nachhaltigen Spuren, die diese Reise hinterließ.
Lesen Sie in Teil 2 , wie uns nachts eine Herde Elefanten besuchte und wie wir am Sylvestermorgen Fitzcarraldo vor einer magischen Urwaldkulisse inszenierten.
In Bezug auf Wildlife und Landschaft hat Uganda hat die Latte bereits ziemlich hoch gelegt. Aber in der Serengeti und im Ngorongoro-Krater toppt Tansania in dieser Hinsicht das westliche Nachbarland dann doch ganz locker.
Mit einem furiosen Finale endet diese Reise. Und wie es sich für eine perfekte Dramaturgie gehört, kommt es unmittelbar vor dem Ende noch zu einer schicksalhaften Begegnung, die eine Fortsetzung unserer Reise wahrscheinlich werden lässt.
In diesem Sinne: The end is where we start from.
Epic Drives: Einmal rund um den Victoriasee # Stage 3: Tansania
Wieder in der Nähe des Victoriasees zu sein bedeutet Tropenklima. Wie bestellt geht pünktlich um Drei am Nachmittag ein heftiges Gewitter nieder. Kurzzeitig ist die Sicht bei fast Null. Einfach nur warten.
Das Übersetzen mit der Fähre über den Golf von Mwanza ist ein Abenteuer für sich. Die Fähre überbrückt einen Seitenarm des Victoriasees, der hier rund drei Kilometer breit ist. Neben uns drängen etliche schwere LKWs und Überlandbusse auf das enge Auto-Deck der morschen Fähre.
Mwanza ist mit über 700.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt Tansanias. Aufgrund ihrer vorteilhaften Lage am Victoriasee wurde Mwanza bereits während der Deutschen Kolonialzeit zu einem der bedeutendsten Wirtschafts- und Handelszentren Ostafrikas ausgebaut. Die Engländer vollendeten den von den Deutschen begonnenen Bau der Eisenbahn, die Mwanza seit 1928 mit dem Hafen in Dar-Es-Salaam verbindet.
African Queen
In und um Mwanza drehte Hubert Sauper 2004 den für den Oscar nominierten Dokumentarfilm Darwin´s Nightmare, der auch eine der Inspirationen für diese Reise war.
Ein weiteres Filmrelikt ist der nahe des historischen Stadtzentrums am Ufer des Sees fest verankerte Dampfer Buganda. Das kleine Dampfboot spielte eine Nebenrolle im 50er-Jahre Hollywood-Klassiker African Queen mit Humphrey Bogart und Katharine Hepburn. Heute ist das Schiff Teil des Hotel Tilapia. Romantischer und stilvoller lässt es sich in Mwanza jedenfalls nicht übernachten. Von Deck aus lassen sich perfekt die schwarz-weißen Graufischer-Eisvögel beim Jagen in Ufernähe beobachten.
TAG 14 – 4.1.2013
Etappe: Mwanza – Western Gate, Serengeti NP
Distanz: 150 km
Overnight: Serengeti Western Gate Campsite
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Der alte Friedhof von Mwanza liegt nur ein paar Gehminuten vom Hotel entfernt. Hier findet man noch Gräber aus der Kolonialzeit, weit über 100 Jahre alt. Einige Grabsteine sind sogar noch in Deutsch beschriftet.
Vom Mwanza aus ist es nicht mehr weit bis zum Nabaka Gate, der westlichen Einfahrt in den Serengeti-Nationalpark.
Dazwischen machen wir noch Halt am Sukuma Museum. Hier haben sich die Sukumu, eine der größten ethnischen Volksgruppen Tansanias, ein kleines Kulturzentrum errichtet. Auf dem Areal kann man auch historische Stammeszelte und Artefakte wie Häuptlingsschmuck, Waffen und Werkzeuge besichtigen.
TAG 15 – 5.1.2013
Etappe: Western Gate, Serengeti – Seronera, Central Serengeti
Distanz: 150 km
Overnight: Serengeti Seronera Campsite
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Serengeti heißt „die endlose Ebene“. Die Gegend trägt diesen Namen absolut zu Recht. Über zwei Stunden fahren wir durch die epische Grassavanne des Western Corridors, ehe wir am späten Nachmittag Seronera Valley erreichen, Herz und Zentrum des Nationalparks.
Once in a Lifetime
Die Serengeti zu sehen war einer der wesentlichen Gründe, diese Reise anzutreten. Das weitgehend unberührte Naturjuwel im Nordwesten Tansanias nahe des Äquators ist Synonym für die Natur und Tierwelt Ostafrikas. Ein wie aus der Zeit gefallenes Traumland. Der Tierreichtum der Serengeti ist schlicht atemberaubend. Folglich sollte man dieses Paradies unbedingt einmal im Leben gesehen haben.
In der offenen Grassavanne scheint sich auch der Sekretär sehr wohl zu fühlen. Wir sehen gleich einige der großen grau-schwarzen Greifvögel, die offensichtlich lieber laufen als fliegen. Der bizarre Vogel mit der markant rot umrandeten Augenpartie hat sich eine sagen wir zumindest eigenartige Jagdtechnik angeeignet. Mit seinen sehr langen und stelzenartigen Beinen erschlägt er seine Beute regelrecht. Da giftige Schlangen ganz oben auf seinem Speiseplan stehen, ist diese Technik durchaus rational begründet.
Jenseits von Eden
Auf den nackten Ästen eines abgestorbenen Baumes am Ufer des Seronera-Flusses verweilen regungslos rund drei Dutzend Marabus. Unten im Fluss dösen Nilpferde und Krokodile im Schlamm. Am Horizont zieht ein gewaltiges Gewitter auf und inszeniert vor schwarz-grauem Hintergrund eine mystisch anmutende Stimmung. Afrika pur.
TAG 16 – 6.1.2013
Etappe: Serengeti-Nationalpark
Distanz: 80 km
Overnight: Serengeti Seronera Campsite
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Am Morgen suche ich vergeblich nach meinen Schuhe. Gestern lagen sie noch unten vor dem Auto. Rund 100 Meter entfernt finde ich Sie schließlich im Gras. Möglicherweise hat sich da eine Hyäne in der Nach dran zu schaffen gemacht. Jedenfalls waren Dde Hyänen die ganze Nacht mit Ihrem meilenweit hörbaren „Wuup“ und den variationsreichen Lach- und Wein-Lauten nicht zu überhören.
Im Reich der Tiere
Am Serengeti Visitors Center klettern recht eigenartige Viecher zwischen den Steinen herum, eine Mischung aus Meerschweinchen, Kaninchen und Teddybär. Tatsächlich handelt sich um Klippschliefer, die sehr gesellig sind und in Kolonien von bis zu 80 Individuen zusammen leben. Hier wähnen Sie sich offensichtlich sicher vor Feinden und etwas zum Knabbern bekommen sie von den Besuchern wohl auch immer wieder mal zugesteckt.
Die Weite der Savanne scheint endlos zu sein. Tiere gibt es hier überall, auch wenn viele davon vollkommen unsichtbar bleiben. Im hohen Gras sind nur beim ganz genauen Hinschauen die Ohren von Löwen auszumachen, die sich nach ihrem Raubzug der letzten Nacht entspannt in der Morgensonne räkeln. Am Abend schlendert eine Gruppe Geparden komplett entspannt in kurzer Entfernung am Camp vorbei.
TAG 17 – 7.1.2013
Etappe: Seronera – Ndutu-Tal – Ngorongoro-Krater
Distanz: 170 km
Overnight: Ngorongoro Campsite A
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Vom höher gelegenen Seronera fahren wir hinab in die flache Ebene der Serengeti Plains. Zu dieser Zeit des Jahres halten sich dort die großen Gnu- und Zebra-Herden der Big Migration auf und stärken sich für die bevorstehende Wanderung nach Norden. Plötzlich fahren wir mitten durch eine gigantische Tierherde. Um uns herum stehen weit verstreut hunderte, ja tausende Tiere, eine phantastisches Bild. Auch viele junge Kälber sind zu sehen, die gerade erst im Dezember geboren wurden.
Afrika wie aus dem Bilderbuch
Das Ndutu-Tal gehört zu den schönsten Landschaften, die Afrika zu bieten hat. Ein dichter Galeriewald aus Akazienbäumen bewächst die sanft ansteigenden Hänge einer paradiesisch-anmutenden Flusssenke. Plötzlich tauchen zwischen den Bäumen vor uns Giraffen auf, erschrocken stieben sie in alle Richtungen davon.
Der Aufstieg zum Kraterrand des Ngorongoro auf über 2.300 Meter über dem Meeresspiegel ermöglicht einen grandiosen Panorama-Blick zurück über die endlose Weite der Serengeti Plains. Der in dunkelorangene Wolken getränkte Sonnenuntergang über dem Kraterrand ist von einzigartiger Schönheit.
TAG 18 – 8.1.2013
Etappe: Ngorongoro-Krater – Karatu
Distanz: 105 km
Overnight: Crater Rim View Inn, Karatu
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Die Vorfreude auf diesen Tag ist gewaltig und wird im Angesicht des phantastischen Panoramas hier oben am südwestlichen Kraterrand sogar noch ein wenig größer. 600 Meter weiter unten reflektiert der Lake Magadi gleißend weiß das Sonnenlicht. Die Fahrt über die steil in den Krater abfallende Piste ist einer der besten Scenic Drives, den wir bislang erlebt haben. Unten wartet ein Garden Eden, der weltweit wohl einzigartig ist.
Der Ngorongoro-Krater – Das Juwel Ostafrikas
Die majestätischen Elefantenbullen mit ihren gewaltigen Stoßzähnen sind ein Highlight für sich. Auf dem ganzjährig immergrünen Boden des Ngorongoro-Kraters scheinen die greisen Riesen ein perfektes Refugium gefunden zu haben.
Drei Rudel Löwen haben den rund 16 km² großen Kraterboden fair unter sich aufgeteilt. Während wir mitten drin in der heißen Mittagssonne stehen und Tiere beobachten nähert sich plötzlich eine Löwin. Schnell kurbeln wir die Fenster hoch und warten ab, was sie will.
Der König der Tiere
Wir Insassen sind für die Löwin jedoch uninteressant. Zunächst lehnt sie ihren massigen Körper an die Fahrerseite des Landrovers. Da es hier im Krater nur an wenigen Stellen Schatten spendende Bäume gibt, gefällt es ihr im Vollschatten unter unserem Auto noch besser. Jetzt besser nicht aussteigen. Weiterfahren geht aber auch nicht mehr. Nach einer Weile lassen wir den Motor an, nichts passiert.
Ganz vorsichtig rollen wir einige Zentimeter vor und zurück, um die Löwin zu vertreiben, ohne sie versehentlich zu überrollen. Nach endlos langen Minuten und mehreren kräftigen Gasstößen gibt sie den kühlen Schattenplatz unter unserem Auto endlich wieder frei und schlendert genervt davon.
Nach einem kurzen Gewitterschauer fahren wir durch den Lerai Forest. Wasser tropft von den Bäumen, die nasse Haut der Elefanten glänzt pechschwarz. Während am gegenüberliegenden Kraterrand bereits wieder die Sonne scheint, zeigt sich für einen kurzen Augenblick ein voller Regenbogen. Magisches Afrika.
Weil uns am Vortag das Bargeld ausgegangen ist, fahren wir noch am Abend runter nach Karatu. Ohne Cash können wir jedoch nirgendwo übernachten. Nach vielen Telefonaten erklärt sich einzig Allen vom Crater Rim´s View Inn bereit, ohne Aussicht auf Bargeld ein Quartier zu stellen. Wir fahren hin.
Where it all began
Allens große Gastfreundschaft zahlt sich aus. Sowohl für ihn als auch uns wird es der Beginn der Geschichte von IntoEastAfrica.
Allen besitzt zwei Lodges in Karatu und führt ein kleines Safari-Unternehmen. Wir nutzen den Tag, um uns von den Anstrengungen der vergangenen Tage zu erholen. Allen erzählt uns mehr über das Safari-Geschäft und dabei entwickeln sich schnell spannende Ideen für gemeinsame Aktivitäten. Am Ende des Tages hat Allen sein Geld und wir gemeinsam eine tolle Idee für Europa meets Africa.
TAG 20 – 10.1.2013
Etappe: Karatu – Arusha Airport
Distanz: 135 km
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Die Zeichen stehen auf Abschied. Schmerzlich wird uns bewusst, dass die Reise zu Ende geht.
Der komplett von innen und außen verdreckte Landrover wird ausgeräumt und picobello gereinigt- sieht danach aus wie neu. Wir ziehen für eine weitere Nacht rüber ins Eileen´s Trees Inn, Allens zweite Lodge. Dort genießen wir den Nachmittag am Pool und die relaxte Atmosphäre.
Close to the edge
Der letzte Tag beginnt. Unser Landy knistert in der Morgensonne. Der ungeplante Boxenstopp hier oben an der steilen Grabenbruchkante musste einfach noch sein. Das dramatische Panorama am Lake Manyara Viewpoint ist überwältigend, man kann sich kaum daran satt sehen.
Vor uns liegen der riesige Manyarasee und der Eastern Rift des Ostafrikanische Grabenbruchs aus. Die atemberaubend schöne Landschaft ist die passende Szenerie, um ein letztes Mal inne zu halten und adäquat Abschied zu nehmen.
Am Flughafen von Arusha erwartet uns George und ist sichtlich erleichtert, den Landrover unbeschädigt wieder zurück zu bekommen. Wir packen unsere Sachen auf den Gepäckwagen und schauen wehmütig hinterher, als George mit dem Landrover davon fährt.
Epilog
OK, das ist es dann wohl gewesen – Für dieses Mal. Wir haben auf dieser Reise aber genug erlebt um zu wissen, dass das hier lediglich der Beginn einer noch vielen größeren Sache gewesen ist. Afrika hat uns in seinen Bann gezogen. Wir wollen unbedingt mehr davon. So einfach wie es klingt, ist es dann auch. Get into it!
„ Never give up on the dream – if we can do it, so can you.” Sybille & Stefan Into East Africa Reisen