Gonarezhou - Directors Campsite unmittrelbar am Ufer des Runge River © IntoEastAfrica

Going Wild: Der Gonarezhou-Nationalpark in Simbabwe #1/2

Ja, hier im Südosten Simbabwes ist es tatsächlich noch zu finden, das von Menschen weitgehend unberührte, wilde Afrika.
Die abgeschiedene Wildnis hat dem Gonarezhou-Nationalpark in Simbabwe eine Top-Reputation als Juwel für Naturfreunde verschafft. Allerdings hat die Unberührtheit ihren Preis. Wildtiere, die an Menschen gewöhnt sind, darf man hier nicht erwarten.

Republic of Zimbabwe - Flag
Gonarezhou landscape © Singita Pamushana Lodge
Elephant in front of Chilojo Cliffs © Chilo Gorge Safari Lodge
Gonarezhou Chilojo Cliffs © Chilo Gorge Safari Lodge
Wild und einsam – Der Gonarezhou Nationalpark im Südosten Simbabwes

 

Anfangs schien uns diese Gegend einfach nur öd und leer. Obwohl es hier längst wieder etliche der grauen Riesen geben soll, waren die für uns vollkommen unsichtbar.
 
Am Ende kamen wir den scheuen Elefanten des Gonarezhou näher, als es eigentlich beabsichtigt war. Der Magie Afrikas begegnest du eben genau dann, wenn du sie gerade nicht auf dem Zettel hast.

 

Warum ausgerechnet Simbabwe?

Die Lage ist ernüchternd. Simbabwe zählt zu den ärmsten Ländern Afrikas. Wirtschaft, Infrastruktur und Gesellschaft liegen am Boden, immer wieder kommt es im Land zu Unruhen. Die Bevölkerung leidet unter einem totalitären Regime, hohen Inflationsraten, Korruption und Mangelwirtschaft. In weiten Teilen hat sich der Staat vollständig aus dem Alltag der Menschen zurückgezogen. Die Hoffnung, dass es irgendwann wieder besser wird, hat hier keiner mehr. Schade eigentlich, denn Simbabwe war nicht immer so.
 

Mugabe hat es verbockt!

Die Verantwortung für den beispiellosen Niedergang der einst prosperierenden Kornkammer im Süden Afrikas wird dem 2019 verstorbenen Diktator Robert Mugabe angelastet. Der einstige Hoffnungsträger hat das fruchtbare Land gemeinsam mit seinem Clan jahrzehntelang ausgebeutet und zu Grunde gerichtet.
 
Mugabe hatte das Land 1980 als großer Versöhner und Hoffnungsträger in die Unabhängigkeit geführt, im Amt aber bald eine Wandlung zum Unterdrücker und Tyrannen vollzogen. Das Land belegt weltweit einen der letzten Plätze bei Lebenserwartung und realem Pro-Kopf-Einkommen. Dazu Platz 10 auf dem Fragile States Index. Nur 9 Länder stehen weiter oben und damit schlechter da. Verantwortlich dafür ist Mugabe, der als Präsident vom Paulus zum Saulus wurde.
 
Der gewaltsame Machtwechsel 2017 hin zu Mugabes einstigem Parteifreund Emmerson Mnangawa hat bislang kaum Verbesserungen bewirkt. Weiterhin meiden Investoren und Touristen den geschundenen Binnenstaat im südlichen Afrika.
 

Arm aber schön

Warum also sollte man dieses Land besuchen? Tatsächlich gibt es gute Gründe dafür. Und die wiegen trotz aller Probleme schwer: Simbabwes urtümliche Naturräume werden unter Kennern zu den besten und spektakulärsten gezählt, die der afrikanische Kontinent zu bieten hat. Weil wegen des schlechten Renommees kaum jemand hinfährt, blieb dort die Natur von menschlichen Eingriffen und Belastungen verschont.
 
Großräumige und vom Menschen nahezu unberührte Gebiete? Pures Afrika? Klingt ausgesprochen reizvoll. Also wollen wir da hin!
 

Politisch ein Desaster, im Naturschutz visionär

Fast 13% der Landesfläche Simbabwes sind als Schutzgebiete ausgewiesen, darunter 11 Nationalparks. Die ökonomische Nutzung von Schutzgebieten gilt auch in Simbabwe mit seinen vergleichsweise geringen Besucherzahlen als verlässliche Einkommensquelle.
 
Aufgrund der desolaten Wirtschaft waren jedoch nie Mittel da, um in den Ausbau der touristischen Infrastruktur zu investieren. Folglich wurden die Nationalparks des Landes nie in größerem Stil für den Tourismus erschlossen. So blieben sie, was sie waren: Wilde, weitgehend unberührte Naturräume von monumentaler Schönheit.
 

Best of Safari

Paradoxerweise zählen einige der Schutzgebiete des kaputten Landes so zu den spektakulärsten des gesamten Kontinents. Darunter Mana Pools an der Grenze zu Sambia oder der Hwange-Nationalpark mit seiner riesigen Elefantenpopulation.
 

Grafik: ©IntoEastAfrica
 
 
Unter den Nationalparks Simbabwes gilt der Gonarezhou-Nationalpark als Geheimtipp. Das ist unverständlich, weil es nach den im Tourismus geltenden Regeln eigentlich anders sein müsste. Denn mit seiner Größe von knapp über 5.000 Quadratkilometern ist der Gonarezhou nach dem Hwange immerhin der zweitgrößte Nationalpark des Landes. Zudem liegt er nah an Südafrika, theoretisch also relativ gut erreichbar für Besucher.
 

Einsam und abgelegen

Tatsächlich bekommt er nur einen Bruchteil der Besucher seines berühmten Bruders oben im Nordwesten. Ein Grund könnte tatsächlich die Lage sein, denn die scheinbare Nähe zu Südafrika täuscht. Mal eben so kommt man da von Südafrika aus nämlich nicht hin. Dazu kommen wir gleich. Wer das Naturjuwel erleben will, muss erst einige Challenges meistern. Check! Macht das Ganze für uns nur noch begehrlicher.
 
Nur wenige Pauschalreise-Veranstalter haben den Gonarezhou im Programm, da der Park nahezu keine Infrastruktur für Touristen bietet. Mit der Chilo Gorge Lodge wird überhaupt nur eine einzige Lodge innerhalb des Nationalparks betrieben. Etwas außerhalb des Parks findet sich mit der Singita Pamushana Lodge eine Option im Luxus-Segment. Das ist es dann aber auch.
 
Anspruchsvolle Gäste erhalten bei Singita jedenfalls ein perfekt in Szene gesetztes Gonarezhou-Safari-Abenteuer. Die Aussicht von der Singita Pamushana Lodge auf den unterhalb gelegenen Malilangwe Dam ist jedenfalls spektakulär.
 
 

Get Into It

Singita Pamushana Lodge

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  • Die erst vor kurzem wiedereröffnete Lodge liegt im rund 500 Quadratkilometer großen Malilangwe Wildlife Reserve, das nördlich an den Gonarezhou-Nationalpark grenzt. Bei den Condé Nast Traveller 2020 Readers´ Choice Awards wurde die Singita Pamushana Lodge mit dem 5ten Platz unter den Africa Resorts prämiert.
  • Singita ist eine nachhaltig orientierte Ökotourismus-Marke im gehobenen Luxus-Segment. Der in Südafrika angesiedelte Safari-Anbieter betreibt insgesamt 15 Luxus-Lodges in Simbabwe, Südafrika, Tansania und Ruanda. Dabei kooperiert man mit verschiedenen Non-Profit-Organisationen, die sich wiederum langfristig in Tier- und Naturschutzprojekten engagieren.
  • Das Konzept von Singita richtet sich an Reisende, die exklusive arrangierte, authentische Safaris inmitten der afrikanischen Wildnis erleben wollen. Die Lodge umfasst 6 elegant möblierte Suiten. Jede davon hat einen eigenen Pool, Innen- und Außendusche sowie einen Kühlschrank und eine Minibar. Das luxuriös ausgelegte All-Inclusive-Paket wird abgerundet mit Lodge-eigenem Spa und einem Fitness-Raum. Darüber hinaus verfügt Singita Pamushana über einen gut sortierten Weinkeller. Neben den obligatorischen Game Drives in den Gonarezhou bietet die Lodge weitere individuell durchführbare Aktivitäten wie Bush Walks, Fishing Tours oder Ausflüge zu archäologischen Stätten in unmittelbarer Umgebung.

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  • Etwas abseits der Lodge liegt das Singita Malilangwe House. Die private Villa gehört zu einer eigenständigen Produktlinie bei Singita. Malilangwe House bietet in exponierter Lage absolute Privatheit und jeglichen Komfort, den sich die Gäste nur wünschen können. Es gibt 5 Schlafzimmer, jedes mit eigener Terrasse. Dazu ein überdachter Essbereich und einen Infinity-Pool mit Blick auf den unterhalb des Hauses gelegenen Malilangwe Dam. Zum hauseigenen Service-Personal gehören u.a. ein eigener Küchenchef, ein Safari Guide und ein privater Butler.
  • Selbstverständlich für eine Lodge dieser Kategorie ist die eigene Landepiste. Auf Wunsch werden private Charterflüge von/zu OR Tambo JNB arrangiert, bzw. von/zu dem der Lodge nächstgelegenen Buffalo Range Airport BFE nahe Chiredzi.
  • Buchen können Sie die Singita Pamusha Lodge natürlich auch bei IntoEastAfrica.

 
Weiters befindet sich mit der Chilo Gorge Safari Lodge lediglich eine professionell gemanagte Unterkunft innerhalb des Nationalparks. Genaugenommen sind es zwei, da Chilo saisonal auch noch ein Tented Camp im Park unterhält.
 
Die Chilo Gorge Safari Lodge liegt am nordöstlichen Ufer des Save River unmittelbar bevor der Runde in den Save River fließt. Diese Gegend gilt als extrem tierreich und zählt zu den landschaftlich schönsten Gebieten des Nationalparks.
 
 

Get Into It

Chilo Gorge Safari Lodge + Tented Camp

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  • Die Chilo Gorge Safari Lodge ist die perfekte Verbindung einer komfortablen Luxus-Lodge und einer möglichst exponierten Lage in der Wildnis. Chilo Gorge ist oberhalb des Save Rivers spektakulär an das Steilufer gebaute und bietet eine phantastische Aussicht. Die geschmackvoll eingerichtete Lodge wurde von Clive Stockil gegründet, einem der bekanntesten Naturschützer des Landes.
  • Swimming Pool, Lounge, Bar und Dining Room wurden so angelegt, dass man von dort perfekt das Flußtal überblicken kann. Daneben verfügt Chilo Gorge über 10 großzügig dimensionierte Chalets. Jedes mit eigenem En-Suite Badezimmer, Minibar, Safe und Aussichtsterrasse.
  • Die an die Chilo angrenzende Nhambo Self Catering Lodge umfasst vier eigenständige Selbstversorger-Lodges, jeweils mit Badezimmer und Aussichtsterrasse. Es gibt eine Gemeinschaftsküche mit typisch südafrikanischen Braai-Grill sowie einen Mini-Pool zur Abkühlung. Drei der Lodges sind für je 2 Personen ausgelegt. Die vierte ist als Familien-Lodge größer gebaut und bietet Platz für bis zu sechs Personen. Dieses Konzept richtet sich an Selbstversorger, die sich hier einen oder mehrere Tage einmieten wollen. Natürlich können die Gäste auch die Facilities der nahen Chilo Gorge Lodge wie die Bar oder das Restaurant mitbenutzen.

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  • Das Chilo Gorge Tented Camp ist im direkten Vergleich die einfachste und unmittelbarste Art den Gonarezhou zu erleben. Dafür bietet das Camp den Gästen noch immer ein erhebliches Maß an Komfort. Das saisonal betriebene Camp liegt landschaftlich reizvoll unmittelbar am Ufer des Runde River. Die richtige Unterkunft, um den Gonarezhou so authentisch wie möglich zu erleben.
  • Jedes der 4 Safari-Doppelzelte verfügt über eine eigene Toilette und eine Dusche. Frühstück, Mittag- und Abendessen werden vorzugsweise im Freien mit Fluss-Panorama serviert. Das Chilo Gorge Tented Camp ist von Anfang Mai bis Ende Oktober geöffnet. Die perfekte Unterkunft für ausgedehnte Walking Safaris und Tierbeobachtungen.
  • Überdies bietet Chilo Gorge gestandenen Abenteurern das sogenannte „Fly Camping Experience“. Hierbei erkunden die Reisenden in kleinen Gruppen zusammen mit professionellen Guides auch die entlegensten Ecken des Parks.
  • Buchen können Sie die Chilo Gorge Safari Lodge und das dazugehörige Tented Camp natürlich auch bei IntoEastAfrica.

 
 
Aber auch für Reisende, die von lokalen Veranstaltern unabhängig den Park auf eigene Faust entdecken wollen, ist der Gonarezhou ein Paradies. Und um diesen Paradiesgarten real zu erleben, braucht es dann auch nur ein Allradauto, Benzin- und Lebensmittelreserven, Frischwasser und ein Zelt.
 

Bewegte Geschichte

Die geringen Besucherzahlen haben wohl auch mit der besonderen Geschichte des zweitgrößten Nationalparks Simbabwes zu tun. Weil jahrzehntelang schlicht unzugänglich, kennen nur wenige das extrem tierreiche Wildgebiet im Grenzgebiet zu Südafrika und Mosambik.
 
Zunächst wegen des ab 1975 im Land tobenden Bürgerkriegs. Dann wegen des unmittelbar folgenden und bis 1992 andauernden Bürgerkriegs im benachbarten Mosambik. Eigentlich erst seit 1994 kann man den bereits zwanzig Jahre zuvor gegründeten Nationalpark unbedenklich besuchen.
 

Mehr als 5.000 km² Wildnis

Aus der Sprache der hier heimischen Shona wäre „Gonarezhou“ zu übersetzen mit „Ort vieler Elefanten“. Elefanten gab es Anfang der 90er Jahre jedoch nahezu keine mehr. Während des Bürgerkriegs wurde ein Großteil der Wildtiere einfach abgeschossen.
 
Nachdem ab Mitte der 90er Jahre endlich Frieden einkehrte, leben heute wieder fast 11.000 der grauen Riesen im Park. Die hier lebenden Tiere, allen voran die Elefanten des Gonarezhou, gelten wegen der dunklen Geschichte des Parks als besonders ängstlich und menschenscheu.
 

Ein Nationalpark ist kein Streichelzoo

Für Tierbegegnungen braucht man im Gonarezhou Geduld und Ausdauer. Echte Afrika-Fans lassen sich davon nicht schrecken. Die Tiere zeigen sich ohnehin nur, wenn sie das wollen. Hier eben seltener als anderswo.
 
Zumindest bestehen im Gonarezhou Chancen, Leoparden, Hyänen, Erdwölfe und Afrikanische Wildhunde anzutreffen. Auch Büffel, Kudus, Impalas, Wasserböcke und Zebras leben im Park. Und mit den rund 450 hier nachgewiesenen Vogelarten ist der Gonarezhou der König unter den Nationalparks Simbabwes.
 

Lowveld – subtropische Klima und Prime Safari Destination

Der Nationalpark ist äußerst weitläufig, Pisten und Trails gibt es nur wenige und auch nicht überall. Mit durchschnittlich 300 Metern über dem Meeresspiegel liegt der Park zudem relativ tief. Daraus resultieren höhere Temperaturen und weniger Regen als im Hochland, das den Großteil Simbabwes dominiert.
 
Der Winter ist mit Juni und Juli und moderaten Temperaturen unter 30° kurz. Der feuchtheiße Sommer geht mit Tagestemperaturen von über 40° einher und dauert von November bis April.
 
Die Vegetation des Gonarezhou besteht überwiegend aus niederem, dürreresistentem Buschbewuchs. Die karge Savanne wird aufgelockert von sandigen Flussbetten, an deren Ufern artenreiche Uferwälder gedeihen. Sukkulenten, Palmen und Baobabs finden sich hier ebenso wie Mopane-Wälder, Leberwurst-, Mahagoni und Nyala-Bäume und Wilde Mangos.
 

Aber jetzt: Wie kommt man auf eigene Faust dort hin?

Da der Park im Südosten Simbabwes quasi an Südafrika grenzt, ist die Anreise trotz aller Hindernisse von Südafrika aus naheliegend. Wer in Simbabwe starten möchte findet lediglich in Harare eine Handvoll Anbieter von Mietwagen.
 
In Südafrika sind wegen des größeren Angebots Auswahl und Preise attraktiver. In den Regionen um Johannesburg und Kapstadt gibt es zahlreiche Vermieter von Allradautos in verschiedenen Größen und Ausstattungen.
 

Wir starten von Südafrika aus

Pickups und Jeeps gibt es wahlweise mit zwei oder vier Türen und mit Diesel- oder Benzinantrieb. Bei fast allen Anbietern kann man individuelle Features wie Dachzelt, Navi, Satelliten-Telefon, Camping- und Offroad-Equipment hinzu buchen. Günstiger zwar als in Simbabwe, aber guter Service hat auch in Südafrika seinen Preis. Wenn man alleine in Afrika unterwegs ist und auf die einwandfreie Funktion des Materials angewiesen ist, sollte man allerdings nicht an der falschen Stelle sparen. Diese Lektion haben wir auf unserer ersten Afrika-Reise gelernt.
 
 

Toyota Hilux Double Cab mit Dachzelt und 80 Litern Diesel auf dem Dach
 
Die zur Überquerung der Landesgrenzen erforderlichen Papiere sowie zusätzliche Benzinkanister und Ersatzreifen werden auf Wunsch übrigens auch gleich mit bereitgestellt. Wichtig ist, das im Vorfeld zu klären. Nicht alle Anbieter erlauben die Einfahrt in alle Nachbarländer.
 

Better safe than sorry

Unser Hilux hat einen 70-Liter-Tank. Groß, aber nicht groß genug für Simbabwe, wo es Benzin oft gar nicht oder nur mehr zur horrenden Preisen auf dem Schwarzmarkt gibt. Also nehmen wir zusätzlich noch vier 20-Liter-Benzinkanister mit an Bord. Die kommen oben aufs Dach und werden am Dachträger Crashsicher mit Spanngurten festgezurrt.
 
Wir haben einen Toyota Hilux Double Cab, der heißt so wegen der zweiten Sitzreihe. Der zusätzliche Platzt macht auf Safari Sinn. So schützt man Equipment und Kleidung vor Staub und hat alles von innen aus griffbereit. Darüber hinaus finden Lebensmittel, Gas, Werkzeug und Camping Gear ihren Platz in der ausziehbaren Schublade unter bzw. auf der Ladefläche.
 
Alles ist gut durchdacht. Sogar ein großer Frischwassertank ist unter der Ladefläche verbaut. Praktisch: Seitlich am Auto gibt es einen Mini-Wasserhahn, durch den das Wasser dann abgezapft werden kann! Insofern fühlen wir uns für das vor uns liegende Abenteuer gut gerüstet.
 
Beim Blick auf die Landkarte liegt die Südgrenze des Gonarezhou nur rund 20 Kilometer Luftlinie vom Nordende des südafrikanischen Krüger Nationalparks. Eigentlich keine Entfernung für afrikanische Verhältnisse. So what?
 

Was bedeutet der blaue Strich auf der Landkarte?

Zwischen den beiden Parks fließt der Limpopo hindurch. Außerdem markiert der Limpopo die südafrikanisch-simbabwische Grenze. Da es hier im einsamen Osten Simbabwes keine Brücke gibt, ist es bei höherem Wasserstand unmöglich mit dem Auto eben mal vom einen in den anderen Park zu fahren.
 
Die klassische und ganzjährig passierbare Route von Südafrika in den Gonarezhou führt über Beitbridge. Tatsächlich ist Beitbridge auch die einzige Brücke weit und breit. Weiters markiert diese Brücke auch den einzigen offiziellen Grenzübergang entlang der 250 Kilometer langen Grenze zwischen den beiden Ländern.
 
 

Alternative Route via Mosambik – Grafik: ©IntoEastAfrica
 
Aufgrund des vielen Schwerlastverkehrs ist Beitbrige einer der meistfrequentierten Grenzübergänge im südlichen Afrika. Chaos und lange Wartezeiten sind vorprogrammiert. Nicht wenige bezeichnen Beitbridge als Alptraum. Mitunter kann man hier mit dem Grenzübertritt auch mal einen ganzen Tag verlieren. Einheimische meiden das nervenaufreibende Nadelöhr, soweit irgendwie möglich. Geht es auch anders?
 

Auf das richtige Timing kommt es an

Tatsächlich gibt es eine Alternative zur Mainstream-Route via Beitbrige. Allerdings nur während der Trockenzeit. Darüber hinaus funktioniert diese auch nur mit einem Allradauto. In unserem Fall ist beides gegeben. Damit ist es aber noch nicht ganz getan. Um vom Nordende des Krüger-Nationalparks in den Gonarezhou zu gelangen, ist ein kleiner Umweg über Mosambik erforderlich. Und Mosambik verlangt für die Einreise ein Visum, egal wie kurz der Aufenthalt ist.
 
Das Visum für Mosambik ist in der Regel problemlos über die Botschaften und Konsulate des Landes zu bekommen. Unbedingt sollte man es bereits im Vorfeld der Reise organisieren. Andernfalls ist der Zeitgewinn mit dieser Route schnell wieder verspielt. Auch das Visum haben wir, jetzt also los.
 

Ticket to Paradise

Wer von Johannesburg aus nach Simbabwe will, nimmt die Autobahn N1 nach Norden. Die Autobahn endet in Polkwane, ab hier ist die N1 eine gut ausbaute Schnellstraße. Rund 40 Kilometer vor Beitbridge liegt Mopane.
 
Hier verlässt man den Mainstream und die N1 und fährt in östlicher Richtung weiter auf der R525 bis zum Parfuri Gate, dem nördlichen Eingang in den Krüger-Nationalpark. Die R525 führt als S63 weiter durch den Park bis zum Parfuri Border Post, einem verschlafenen Grenzübergang im Dreiländereck. Um unser eigentliches Ziel nicht aus den Augen zu verlieren widerstehen wir der Versuchung weiter in den Krüger hineinzufahren, übernachten im nahen Parfuri River Camp und brechen am nächsten Morgen auf in Richtung mosambikanische Grenze.
 
Auch wenn man den Krüger an seinem nördlichen Ende nur durchqueren möchte, ist am Parfuri Gate Eintritt zu bezahlen. Das ist es allemal wert. Denn mit nervenaufreibenden Staus und langen Wartezeiten ist an dieser Grenze nicht zu rechnen.
 

„Boa Viagem!“

Südafrika ist modern, bestens erschlossen, die Infrastruktur überall top. Eigentlich beginnt erst in Mosambik das echte Afrika und damit das Abenteuer. Gleich hinter dem Schlagbaum wird die Asphaltstraße zur Schotterpiste. Wenn alles gut geht, sind wir trotzdem schon in wenigen Stunden in Simbabwe. Hinweisschilder gibt es allerdings keine mehr.
 
Zur Orientierung nutzen wir neben konventionellem Kartenmaterial auch Google Maps im Offline-Modus. Funktioniert tadellos. Unsere Electronics saugen mittels Adapter über den Zigarettenanzünder Ladestrom aus der Autobatterie. Rund 1 Kilometer nach der Grenze zweigt ein unscheinbarer Weg in Richtung Fluss ab. Anstatt auf relativ festem Schotter fahren wir jetzt auf weichem Sand. Zwei Fahrspuren werden zu einer.
 
Nur in der Trockenzeit ist die Offroad-Querung des mitunter vollständig ausgetrockneten Limpopo möglich. Und das auch nur an den ausgewiesenen Stellen. Man sollte sich zuvor unbedingt am Grenzübergang oder bei den Rangern im Krüger erkundigen, ob die Durchfahrt aktuell möglich ist.
 
 

Reifendruck reduzieren für besseren Grip auf lockerem Sand
 
Da das ausgetrocknete Flussbett aus sehr feinem Sand besteht, ist Erfahrung im Umgang mit dem Allradantrieb von Vorteil. Insbesondere wenn es kein Begleitfahrzeug gibt, das einen notfalls wieder befreien kann.
 
Wenngleich der eigentliche Wasserlauf gerade nur mehr ein schmales Rinnsal ist, ist die Querung eine Challenge. Zwar führen die hier ansässigen Hirten ihre Tiere zum Trinken an den Fluss. Dennoch sollte man auf keinen Fall vorab das Wasser zu Fuß durchqueren, um etwa dessen Tiefe zu erkunden. Man könnte dabei auf Krokodile stoßen!
 
Die Spuren im Sand verraten uns, dass vor nicht allzu langer Zeit noch Fahrzeuge hier durchgefahren sind. Also folgen wir einfach deren Spuren und wagen uns genau dort ins Wasser. Der Allradantrieb schiebt den schweren Jeep langsam und unbeirrt durch den Pool.
 

Heiß und trocken

Am anderen Ufer wartet dichter Busch. Über die nächsten 50 Kilometer mäandriert der schmale, sandige Trail mehr oder weniger parallel entlang der auf der Karte wie mit dem Lineal gezogenen Grenze. Einen Grenzzaun oder irgendwelche Markierungen sehen wir nicht.
 
Die Grenze zwischen Simbabwe und Mosambik markiert zugleich auch den Übergang zwischen zwei Vegetationszonen. In Simbabwe dominiert noch die südafrikanische Lowveld-Vegetation. In Mosambik dominiert der typische Bewuchs der subtropischen Küstenebene, der nach Osten hin bis zum Indischen Ozean reicht.
 
 

Von eigener Schönheit: die Dornsavanne
 
Wir fahren durch eine eintönige Landschaft aus Dornbüschen, Mopane-Sträuchern und vereinzelt stehenden Schirmakazien. Und doch, ganz verlassen ist diese lebensfeindliche Gegend nicht. Am Wegesrand tauchen wie aus Nichts immer wieder eine Handvoll Hütten auf. So wird dieser Pfad zumindest regelmäßig genutzt und der Verlauf ist einigermaßen gut erkennbar.
 

Better safe than sorry!

Nur diese vielen Dornen. Akaziendornen sind hart wie Stahl. Man sollte also weder über allzu viele davon drüberfahren, noch mitten hindurch, wenn es sich vermeiden lässt. Defensive Fahrweise zahlt sich in Afrika aus. Immer wieder ist der Pfad von beiden Seiten her so stark überwuchert, dass ein kleiner Umweg durch den Busch erforderlich ist.
 
Es geht nur langsam voran, fast zwei Stunden brauchen wir für den Trail. Andere Autos begegnen uns keine. Dann endlich erreichen wir das kleine Dorf Malvernia und das Ende des schmalen Trails. Direkt vor uns liegt ein mächtiger Grenzzaun. Auf der anderen Seite beginnt Simbabwe und der Gonarezhou!
 

Weiter zu Teil 2

 
 
Quellen: Singita Ltd. South Africa; Chilo Gorge Safari Lodge Zimbabwe; ZimParks Harare; Gonarezhou Conservation Trust. Bildnachweis: © IntoEastAfrica Reisen e.U.